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Radsportbezirk Nordwestfalen - Siegfried Westphal

Stand: Oktober 2005

Westphal, Siegfried, *1939, Radball-Funktionär

Frankfurt ist der Hauptsitz des Bundes Deutscher Radfahrer. Alles, was in Deutschland mit Radsport zu tun hat, wird in der Main-Metropole entschieden, geplant oder verworfen. Wirklich alles? Nein. Beim näheren Hinsehen leuchtet Oelde als eine ganz wichtige Außenstelle auf der Radsport-Landkarte auf. Hier wohnt und arbeitet Siegfried Westphal, der maßgeblich dafür sorgt, dass im Radball alles so läuft, wie es laufen muss.

Der 64-jährige Rentner hat sich in Oelde ein Büro eingerichtet, in dem er seine Aufgaben erledigt, die sich beinahe ausschließlich um den Radball drehen. Computer, Telefon, Handy, Fax, Drucker, Internet - ohne den Einsatz neuer Medien wäre Westphal hilflos, wenn er für die ganze Bundesrepublik den Radball-Sport koordiniert. Und die Liste seiner Aufgaben ist lang. Zunächst unterstehen dem Oelder als BDR-Bundeskommissärs-Obmann sämtliche Radball-Schiedsrichter in Deutschland. Westphal ist nicht nur für die Ausbildung neuer Kommissäre verantwortlich, er verteilt diese auch auf die anstehenden Spiele oder schlägt sie als Kommissäre für internationale Wettkämpfe vor.

"In diesem Amt macht man sich nicht nur Freunde", weiß Westphal aus Erfahrung. "Sowohl von den Kommissären als auch von den Spielern muss man sich manchmal böse Kommentare anhören. Dem einen passt sein Einsatz nicht, der andere hadert mit einer Kommissärs-Entscheidung." Doch das Gezänk und Gezeter interessiert Westphal nicht. Seit er das Amt 2001 angetreten hat, bemüht er sich eine konsequente und regelgetreue Linie vorzugeben. Und so manchem Bundesliga-Spieler, der meint einen Freifahrtsschein im Regelwerk zu besitzen, kann er eines Besseren belehren. "Ich bin ein Freund von Karten", so Westphal. "Ich lobe meine Kommissäre eher für ein konsequentes denn für ein nachsichtiges Durchgreifen."

Siegfired Westphal Westphal selbst pfeift inzwischen keine Spiele mehr. Das hat er fast vierzig Jahre lang getan. Heute sitzt er jeden Tag mehrere Stunden an seinem Schreibtisch. Ganz gleich ob Ostern, Weihnachten oder Geburtstag. Die Wochenenden sind fast komplett mit Wettkämpfen verplant und der Terminplaner ist bereits mit Terminen überfüllt. Für das Jahr 2005 versteht sich.

Westphal ist jedoch nicht nur für die Schiedsrichter verantwortlich, ihm untersteht seit 1990 auch die gesamte erste Bundesliga im Radball. Spielplan, Spielort, Tabelle und Regelentscheidungen - alles hat in Oelde seinen Ursprung. Und wenn Westphal an den vielen Wochenende zu den Spielen in ganz Deutschland fährt, dann kommt in ihm schon manchmal der Wunsch nach einem eigenen Hubschrauber auf: "Das würde vieles vereinfachen."

Eine weitere Aufgabe hat Siegfried Westphal beim Bundessportgericht des BDR gefunden. Als eine Art Schöffe hat er dort vor allem Dopingfälle mit zu entscheiden. Auch die Doping-Akte von Jan Ullrich ist damals über seinen Schreibtisch gegangen. Seinen vielen Aufgaben und seiner klaren Linie verdankt Westphal auch eine gehörige Autorität gegenüber den Spielern. Wenn er bei Deutschen Meisterschaften die Sporthalle betritt, tauschen die Spieler regelmäßig Blicke aus und flüstern: "Pass auf, der Chef kommt!"

Seit 1956 ist Siegfried Westphal dem Radball verbunden. Nach einem Westfalenmeistertitel 1957 blieb er bis 1986 auch ein aktiver Radballspieler beim RSV Schwalbe Oelde. Doch heute schwingt er sich auf kein Rad mehr. Das mache die Gesundheit einfach nicht mehr mit. Dafür liege es ihm umso mehr am Herzen, der Jugend eine Chance zu geben. Seit 1994 hat er sich als Landesfachwart bemüht den Radball in Nordrhein-Westfalen wieder konkurrenzfähig zu machen und das ist ihm mit dem Aufbau von verschiedenen Kader-Jahrgängen auch gelungen. "Mittlerweile stellen wir in NRW auch wieder Deutsche Meister", resümiert Westphal. "Das ist mehr als erfreulich."

In seinem Oelder Heimatverein findet Westphal kaum noch Zeit für ein Engagement. Dafür sei er auf der Bundesebene einfach zu beschäftigt. Doch immerhin hat er mit den Oeldern auch sein schönstes Radball-Erlebnis feiern dürfen. Die erfolgreiche Mitorganisation der Junioren-Europameisterschaft 1995 in Oelde werde ihm unvergessen bleiben.

Auf die Frage, ob es noch Ziele gibt, kann Westphal nur mit dem Kopf schütteln. "Ziele hab ich im Sport keine mehr. Die Kommissäre sind gut ausgebildet, die Bundesliga läuft gut und der Landesverband auch. Das ist alles was ich will." Das einzige Ziel könne für ihn nur noch sein, etwas Arbeit abzugeben. Christian Lauenstein


© 17.11.2008 Radsportbezirk Nordwestfalen

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