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Radsportbezirk Nordwestfalen - Rolf Aldag
Stand: Oktober 2005
Aldag, Rolf, *1968, Radprofi beim Team T-Mobile
Der Beckumer T-Mobile-Profi Rolf Aldag ist einer der dienstältesten
deutschen Radprofis. Mit 35 Jahren und acht Tour-Teilnahmen
ist er in seinem Bonner Team inzwischen so etwas wie der
Senior, allerdings ein verdammt Schneller. Bei den ersten
Rundfahrten der Saison 2004 holte er sich gleich zwei
Bergtrikots und schloss damit nahtlos an seine aufsehenerregende
Fahrt auf der ersten großen Alpenetappe der Tour
de France 2003 an, die ihm sogar einen Tag das Trikot
des besten Bergfahrers brachte. Team-Manager Walter Godefroot
über den Deutschen Meister des Jahres 1999: "Rolf
ist ein Stratege. Er kann die verschiedenen Rennsituationen
schnell erfassen. Dadurch hilft er der Mannschaft, schnell
zu reagieren. Ihm haben wir so manchen Sieg zu verdanken."
Im Dezember 2000 äußerte sich Aldag gegenüber
Stefan Schwenke zum Radsport, seinen Plänen und
natürlich zur Doping-Problematik im Rennsport:
Frage: Wie viele Kilometer warst Du in der vergangenen
Saison im Sattel unterwegs?
Aldag: 40400 exakt.
Frage: Die bisher längste Rennsaison Deiner
Karriere?
Aldag: Ja, das liegt aber im Trend. Jedes Jahr
fängt die Saison etwas früher an und hört
trotzdem später auf. Dafür hab' ich ja im
Juli unfreiwillig eine Pause machen müssen.
Frage: Die neue Saison beginnt, wie die vergangene
aufgehört hat: Auf der Sechs-Tage-Bahn.
Aldag: Richtig. In Bremen und wenn möglich
anschließend in Berlin. Erst fliege ich jetzt
eine Woche zum Training nach Mallorca, dann kommt Bremen,
dann wieder Mallorca, Berlin und eine Woche später
die ersten Straßenrennen.
Frage: Eine eher unkonventionelle Vorbereitung,
oder?
Aldag: Es geht um die Intensität, die man
auf der Bahn fährt. Die hat man auf der Straße
nicht. In meinem Alter hat man eigentlich nie Probleme
mit der Distanz. Ob Mailand-San Remo oder Flandern-Rundfahrt,
ob 280 oder 260 Kilometer, daran scheitert es bei mir
nicht. Es scheitert höchstens an der Schnelligkeit.
Dafür ist ein Sechs-Tage-Rennen durch die Intervallbelastungen
ideal. Als Peter van Petegem vor zwei Jahren die Flandern-Rundfahrt
gewonnen hat, ist er vorher in Bremen das Sechs-Tage-Rennen
gefahren.
Frage: Das Team Telekom präsentiert sich
für die Saison 2001 so stark wie nie. Ist das auch
eine Antwort auf das Team Coast?
Aldag: Nein, da sehe ich keinen Zusammenhang.
Die machen ihre Sache, wir unsere. Natürlich wird
es da Konkurrenz geben. Aber ich denke, wir werden uns
im Frühjahr an Mapei und im Sommer bei den Rundfahrten
mit Once, Banesto und US Postal messen. Da muss sich
Coast erstmal beweisen. Ich sehe sie noch nicht so weit
vorne, dass sie laufen uns den Rang ablaufen könnten.
Aber ich halte es auf jeden Fall für eine gute
Sache, endlich einen zweite großen Rennstall in
Deutschland zu haben. Hoffentlich funktioniert es.
Frage: Wie sind die Chancen von Coast, schon
im kommenden Jahr bei den großen Rundfahrten und
unter Umständen bei der Tour dabei zu sein?
Aldag: Das ist allein eine Frage der Punkte.
Wenn sie genug haben, sind sie dabei. Vom Prinzip sieht
es aber wohl ganz gut aus. Alex Zülle, Fernando
Escartin, das sind natürlich Fahrer, die haben
einen Namen. Allerdings ist es immer schwierig, als
deutsche Mannschaft allein auf ausländische Fahrer
zu bauen. Wenn ich die Tour de France 1996 und 1997
vergleiche, ist der Tour-Sieg von Bjarne Riis nur 25
Prozent soviel wert wie der von Jan. Man muss sich an
der Stelle von Coast halt langfristig überlegen,
wo man hin will.
Frage: Mit Kevin Livingston gab eine weitere
überraschende Verstärkung für das Team
Telekom. Sinken damit die Chancen von Rolf Aldag, im
kommenden Jahr bei der Tour de France wieder dabei zu
sein?
Aldag: Eigentlich müssten meine Chancen
doch steigen. Bergfahrer haben wir sowieso genug, da
kommt es nicht so drauf an. Die Frage ist, wo ist mein
Metier,
wo haben wir uns da verstärkt? Aber weder Robert
Bartko noch Thorsten Hiekmann sind schon so weit, dass
sie die Tour fahren können. Ich werde mich aber
mit Sicherheit nicht mehr festlegen. Das habe ich in
diesem Jahr gemacht und wurde dann böse überrascht.
Klar würde ich mich freuen, wenn ich dabei wäre.
Aber darauf verlassen werde ich mich mit Sicherheit
nicht. Das habe ich schonmal durchgemacht.
Frage: In diesem Jahr bist Du endlich deutscher
Meister geworden, hat sich das irgendwie ausgewirkt?
Aldag: Wie soll sich das auswirken? Was erwartet
man da? Die Rennen werden dadurch auf keinen Fall leichter.
Gut, vielleicht durfte ich deswegen mit zur Olympiade
fahren.
Frage: Wobei der Reiz von Olympia Deiner Aussage
nach im Vorfeld nicht so riesengroß war.
Aldag: Ich konnte die Wertigkeit nicht richtig
einschätzen. Olympiasieger gibt es viele. Und der
Stellenwert im Radsport ist nicht ganz klar. Aber es
war auf jeden Fall ein Erlebnis, auch wenn wir sonst
von Olympia nicht viel mitbekommen haben. Wir haben
uns voll auf das Rennen konzentriert, und das hat sich
ausgezahlt.
Frage: Wie sieht es mit Deiner Zukunft aus? Schon
Pläne für die Zeit nach dem Radsport?
Aldag: Im Moment macht mir der Radsport immer
noch Spaß. Klar, es gibt auch andere Tage. Aber
das hat jeder, der montags ins Büro geht auch.
Okay, irgendwo ist ein Karriereende absehbar. Ich werde
die Tour nicht mehr gewinnen und nicht zum absoluten
Bergfahrer werden, aber ich mache meine Arbeit. So zwei
oder drei Jahre noch.
Frage: Also keine Olympiade mehr.
Aldag: Als Funktionär vielleicht. Man wird
sehen, was sich anbietet. Wenn ich mit 35 ein Job-Angebot
habe, dann muss man sich genau überlegen, was man
unter Umständen für ein Jahr aktiven Radsport
opfert.
Frage: Aber die Zukunft nach dem Radsport wird
mit dem Radsport zusammenhängen?
Aldag: Wahrscheinlich schon. Aber nicht ins Auto
und direkt so weitermachen wie bisher. Dann würde
ich es vorziehen, noch länger Rad fahren, bevor
ich sofort sportlicher Leiter werde.
Frage: Gibt es noch eine sportliche Herausforderung
außerhalb des Radsportes?
Aldag: Ich hab' eine Wette abgeschlossen, dass ich
im Anschluss an meine Karriere einen Marathon unter
2:45 Stunden laufe. Wenn nicht, muss ich beim Ironman
in Roth und auf Hawaii durchkommen.
Frage:
Triathlon, das frühere Metier von Lance Armstrong.
Hast Du sein Buch gelesen?
Aldag: Nee, noch nicht. Aber Kevin Livingston
war sein Trauzeuge, der wird mir auch alles erzählen
können. Zu Lance Armstrong gibt es zwei große
Meinungen. Nichts dazwischen. Entweder man liebt Lance
oder hasst ihn. So wie ich ihn kenne, bewundere ich
ihn unheimlich. Aber vielleicht kenne ich ihn dafür
auch nicht gut genug.
Frage: Thema Doping, die Diskussion ist weiter
aktuell. Beschäftigt einen das noch?
Aldag: Klar, man liest das natürlich. Aber
man ist persönlich nicht betroffen, und das ist
ein Riesenvorteil. Wir haben keinen, der da ein Problem
hat.
Frage: Der Glaube an den Radsport ist weiter
da?
Aldag: Man kann das jetzt als blauäugig
bezeichnen, aber ich weiß, dass wir mit Abstand
das engste Kontrollsystem aller Sportarten haben. Während
der Olympiade hätten mich fünf verschiedene
Kontrollsysteme oder Verbände kontrollieren können
- zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wenn da einer negativ
getestet ist, gehe ich davon aus, dass er auch negativ
ist. Daher kann ich auch ganz ruhig schlafen. Die, mit
denen ich um die Wette fahre, die bereiten sich durch
Training vor. Was soll ich jetzt alle verdächtigen?
Die guten Fahrer gehen 30 Mal im Jahr zur Kontrolle
und sind negativ, da kann ich denen nur ganz schwer
unterstellen, dass sie alle mit Medizin vollgepumpt
sind.
Frage: Es gibt genug Mittel, die nicht nachweisbar
sind.
Aldag: Na gut, wir haben aber noch die Blutkontrollen,
und da können sie ja jetzt scheinbar auch einiges
nachweisen. Dann werden die Proben eingefroren. Ich
kann mir nicht vorstellen, dass jemand so eine Risikobereitschaft
hat und sagt, was soll's, dann erwischen sie mich halt
in einem Jahr. Klar, man kann auch sagen, alle die schneller
fahren, sind gedopt, also mach' ich es auch. Aber da
kann ich mit meiner Version doch ruhiger schlafen.
Frage: Auffällig ist allerdings, dass wegen
Doping bestrafte Rennfahrer nach ihrer Sperre plötzlich
genauso schnell fahren wie vorher. Angenommen, Richard
Virenque brachte seine Leistungen in dieser Saison sauber
- warum hat er dann gedopt?
Aldag: Das ist eine gute Frage. Aber es gibt
sowieso mehrere Mediziner, die sagen, wer dopt ist bescheuert.
Denn es sei durch Doping keine Leistungssteigerung auf
dem Niveau nachzuweisen, wie sie teilweise beschrieben
wird. Jeder muss da wohl seiner Version glauben. Okay,
zu sagen, dass keiner dopt, nur weil die Proben alle
negativ sind, ist ziemlich blauäugig. Das wird
nicht so sein. Logisch. Einige nehmen da ein sehr hohes
Risiko in Kauf. Aber für uns stellt sich die Frage
nicht. Das will keiner verantworten, denn da steht einiges
auf dem Spiel.
Zur Person:
• Name: Rolf Aldag
• Geburtsdatum: 25. August 1968
• Größe: 1,91 Meter
• Gewicht: 75 Kilogramm
• Wohnort: Beckum
• Teams: Helvetia, seit 1993 Team Deutsche Telekom
(ab 2004: T-Mobile-Team)
• Erfolge 1989: 3. Platz Weltmeisterschaften Vierer
Straße
• 1990: 3. Platz Weltmeisterschaften Vierer Straße
• 1992: Etappensieg Tour DuPont
• 1993: Etappensieg Tour de Romandie
• 1994: Etappensieg und Gesamtsieg Hofbräu-Cup,
3. Etappenplatz Tour de France
• 1995: 3. Etappenplatz Tour de France, Etappensieg
Tour de Limosin
• 1996: Etappensieg Tour de Limosin
• 1997: Etappensieg Tour de Suisse, 2. Platz Deutsche
Straßenmeisterschaften, 9. Platz Paris-Roubaix, 9. Platz
Amstel-Gold-Race, 3. Platz Paarzeitfahren Karlsruhe
(mit Jan Ulrich)
• 1998: Sieger Dortmunder Sechstagerennen, 43.
Platz Tour de France: 2. Platz Colmar-Straßbourg, 9.
Platz LUK-Cup Bühl, 27. Platz Grand-Prix Suisse, 3.
Platz Paarzeitfahren Karlsruhe (mit Jan Ulrich)
• 1999: Sieger Bayern-Rundfahrt, Etappensieg Deutschlandtour
• 2000: Deutscher Straßenmeister, 24. Platz Olympia
Straße, 36. Platz Weltmeisterschaften Straße, 32. Platz
Paris-Roubaix, 27. Platz Paris-Tours, 8. Platz Deutschland-Tour,
Sieger Dortmunder Sechstagerennen, Sieger Berliner Sechstagerennen,
24. Platz Straßenrennen Olympische Spiele in Sidney
• 2001: Sieger 90. Berliner Sechstagerennen, 4.
Platz DM Straße, 16. Platz Paris-Roubaix, 2. Platz Bayern-Rundfahrt,
Etappensieg Deutschland-Tour, 3. Platz Deutschland-Tour,
8. Luxembourg-Rundfahrt, 37. Platz Tour de Suisse, 5.
Platz Regio-Tour, Sieger Abendkriterium in Rhede, Sieger
Dortmunder Sechstagerennen, Sieger Dortmunder Weihnachtspreis
• 2002: Sieger 91. Berliner Sechstagerennen, Sieger
1. Etappe 23. Bayernrundfahrt, Sieger 6. Hammer City
Night, Sieger 2. "Sixday-Night" in Kaarst-Büttgen, Sieger
66. Großer Weihnachtspreis" in Dortmund
• 2003: 2. Etappenplatz Tour de France, Sieger
Sparkassen-Cup Unna, Sieger Sparkassen-Giro Bochum
• 2004: Sieger Bergwertung Ruta del Sol, 2. Etappenplatz
Valencia-Rundfahrt
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© 17.11.2008 Radsportbezirk Nordwestfalen
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