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Radsportbezirk Nordwestfalen - Martin Gombert
Gombert, Martin, *1943 + 2004, Sieger der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt von 1967
Der Ahlener Martin Gombert gehörte zu seiner
aktiven Zeit als Amateur zur Elite des Deutschen Radsportes.
Der Sieger der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt war Ahlens
erster Radprofi und für einige Jahre auch Ratgeber
für Rolf Aldag. Neben dem Sieg bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt
zählen zu seinen Amateurzeiten zwei zweite Plätze
bei der Luxemburg-Rundfahrt zu seinen größten
Erfolgen. Mit der Nationalmannschaft wurde Gombert bei
den Weltmeisterschaften 1967 in den Niederlanden im
100-Kilometer-Mannschafts-Zeitfahren Vierter. "Das
war damals eine absolute Sensation", erinnerte
sich Gombert zu seinem 60. Geburtstag im März 2003.
Martin Gombert starb im Januar 2004 im Alter von nur
60 Jahren.
Sein Traum von den Olympischen Spielen, für den Gombert auf zwei Jahre seiner Profikarriere verzichtete hatte, konnte Gombert nie verwirklichen. Obwohl er für
die Spiele in Mexiko nominiert war, wurde der Nationalfahrer 1968 kurz vor den Spielen noch aus dem Team genommen. Als Profi, er fuhr für das Team Batavus Alcina,
konnte er später nicht mehr an seine Erfolge in der Amateurklasse anknüpfen.
Mit seiner Erfahrung begleitete er dafür einen anderen Ahlener Rennfahrer auf dem Weg ins Profigeschäft. Im Nachwuchsbereich war er oftmals Ansprechpartner
auch für den heute für das Team T-Mobile fahrenden Rolf Aldag. Auch abseits der Radrennen ist Gombert dem Radsport bis zu seinem Tod treu geblieben.
Regelmäßig war er mit Freunden zu Trainingsfahrten in der Region oder auch über die französischen Alpenpässe unterwegs. Auch für 2004 Jahr
hatte Gombert wieder eine Reise mit dem Rennrad geplant.
Zu seinem 60. Geburtstag schrieb Uwe Gehrmann, Sportredakteur
des "Ahlener Tageblattes" dieses Portrait
über Martin Gombert:
Früher war alles besser? Es scheint so. Nehmen wir zum Beispiel die Berge. Letztes Jahr hat sich Martin Gombert sei ††ne alten hassgeliebten Freunde
wieder vorgenommen. Im Frühtau zu Berge, ein paar Stunden bevor die Profis der Tour de France ankamen, hat er sich zusammen mit seinem Freund Dieter "Fitz" Peters
noch einmal hochgequält. Les Deux-Alpes, 1650 Meter, erste Kategorie, und 2000 Meter den Col de la Madeleine. Die Ehrenkategorie Und siehe da: Fast alles wie
früher. Aber nur fast. "Sind doch etwas höher und länger geworden, die Berge", lächelt Gombert.
Am heutigen Freitag wird er 60 Jahre jung, der erste Radprofi aus Ahlen, der in den 60er Jahren mit seinen großen Erfolgen die Schlagzeilen und Straßen
beherrschte. Und er gewinnt sein Duell mit den Bergen genau so wie damals, nur ein wenig langsamer. Wär' ja auch gelacht.
"Wenn's rund läuft, dann kitzelt es immer noch", hat das Geburtstagskind nichts verlernt, schon gar nicht seinen Ehrgeiz aus den Tagen, als noch alles "rund lief"
und er eine glänzende internationale Karriere vor Augen hatte.
"Das ist einfach drin", versucht sich Gombert selbst sein Ausnahmetalent als Spross und Senkrechtstarter einer Radsport-Dynastie zu erklären. Opa Josef, Onkel
Martin und Papa Lambert hatten es vorgelebt im radverrückten Ahlen, als in der 50er-Jahren noch tausende Zuschauer die Rennen an der alten Hela-Bahn verfolgten. Mit
Opas altem Dürkopp-Rennrahmen und Drahtreifen ein erster Versuch als Elfjähriger, drei Jahre später, nach einer Fußballpause bei Westfalia, das
erste Jugend-Rennen. "Beim Fußball haben immer elf gewonnen. Ich wollte aber allein siegen", lockte der Ruhm. Der ihm bei seiner Premiere nur durch den ersten
Sturz verwehrt blieb. Egal. Aufstehen, Mund abputzen und weiter. Die Mentalität des Erfolges.
Der gab ihm Recht. Im ersten Jahr als Amateur kam der Ahlener Zechenlehrling auf 45 Platzierungen in 50 Rennen, rutschte gleich in die A-Klasse und mit 21 Jahren trat
Gombert schon für die Deutsche Nationalmannschaft in die Pedale.
"Das war das erste Mal, dass ich ein Trikot geschenkt bekam", erinnert sich Martin Gombert daran, wie er zu Hause stolz sein erstes Leibchen des Bundes Deutscher
Radfahrer auspackte. In dem er fünf Jahre lang seine größten Erfolge einfuhr und in dem er seine größte Enttäuschung erlebte.
Aber zuerst die goldenen Jahre mit unzähligen Höhepunkten. "Eine herrliche Zeit", gesteht Gombert, in der er unter anderem 1967 die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt
gewann, zwei Mal in Luxemburg Zweiter wurde, die Tour de Lavenier in Paris unter den ersten 20 abschloss, die Mexico-Rundfahrt als Sechster beendete, zwei Mal Bronze bei
Deutschen Meisterschaften holte und bei der Weltmeisterschaft im Mannschaftszeitfahren in den Niederlanden Vierter wurde.
Und natürlich bei den Sechs-Tage-Rennen und im Heimspiel abräumte. Zwei Mal Sieger des Ahlener "Industrie- und Handelspreis" vor 10.000 Fans. Erster Preis: ein
Schlafzimmer. " Das hab ich schon vorher verkauft gehabt", erinnert er sich.
Inzwischen vergeht Gombert die gute Laune auch nicht mehr, wenn er an seine größte Niederlage denkt. 1968, zwei Wochen vor Abflug zu den Olympischen Spielen
in Mexico, wurde er vom BDR ausgemustert. Gombert und seine Leistung litten unter einer Kieferhöhlen-Vereiterung, Grund für die Verantwortlichen, ihn daheim zu
lassen. Er hat die Enttäuschung längst verwunden, aber damals war es hart, zumal er sich ungerecht behandelt fühlte. Der Beweis: Als die
Nationalkader-Kollegen in Mexico fuhren, wurde Gombert Dritter bei der Katalonien-Rundfahrt. Keine Leistung? Denkste!
"Wenn ich dann nicht Profi geworden wäre, hätte ich nie gewusst, wie es gewesen wäre", entschloss er sich dann zu einem längst überfälligen
Schritt, den er nur wegen der Olympischen Spiele zwei Jahre aufgeschoben hatte. Eigentlich zu lange. "Ich war schon drüber hinaus und nicht mehr derselbe Gombert
von früher", charakterisiert er die vier Profi-Jahre und die kurze Zeit nach der Re-Amateurisierung, als der Batavus-Stall aufgelöst worden war.
Mit 32 Jahren hat er dann das Rennrad endgültig an die Kellerwand gehängt, eine Pause, die er bis vor drei Jahren durchgehalten hat. Da ist er wieder
angefangen zusammen mi ††t seinem Weggenossen "Fitz" Peters.
"Glauben Sie mal ja nicht, dass der einen Tritt langsamer fährt, wenn ich anfange zu hecheln", freut sich Gombert auf jede Tour, egal ob bei schlechtem Wetter "auf
Rolle" im Keller, 150 Kilometer durch die Beckumer Berge oder wie letztes Jahr noch den Col de Madeleine hoch.
Heute wird mit 80 Gästen Geburtstag gefeiert und morgen geht's wieder in den Sattel. Wirklich? "Na ja, aber Sonntag ganz bestimmt", lächelt Martin Gombert. Das
Feuer, auch wenn's nie olympisch war, brennt wieder, auch wenn inzwischen die Berge höher scheinen und die Strecken länger.
Weitere Informationen zu Martin Gombert: www.rsfahlen.de
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© 13.02.2008 Radsportbezirk Nordwestfalen
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